Interview,Phil
webseite:
http://www.myblog.de/kopf-schuss
Phil: Erst mal ein paar Fakten vorab.
Du bist Berufstätig?
Der Schlachter:
Ja, das bin ich. Ursprünglich Tonträger Fachverkäufer. Ich arbeite jetzt
in einer Pizzeria und mach den Lieferservice und einige andere Dinge,
die zwischendurch so anfallen.
Phil: Freundin?/Frau?
Der Schlachter:
Nein, ich bin Single.
Phil: Hast du ein gutes Verhältnis zu deiner Family?
Der Schlachter:
Doch das habe ich. Sie sieht mich zwar nicht so oft, doch das Verhältnis
kann man als sehr gut und sehr stabil bezeichnen.
Phil: Raucher, du weißt schon das es teurer wird ( :
Der Schlachter:
Ja ich bin Raucher. Seid ca. 16 Jahren und habe in dieser zeit fröhlich
alle Preissteigerungen mitgemacht ;-)
Phil: Ein kleines Spiel:
Ich nenne 7 Begriff und du schreibst mir jeweils deine Persönliche
Assoziation dazu.
Politik.
Der Schlachter:
Interessiert mich meist nur im bereich der Skandale und Absägungs-
Prozesse. Helmut Schmidt der Altbundeskanzler ist und war cool. Wenn der
im fernsehen interviewt wird, schaue ich immer hin.
Kraftwerk.
Na das ist die erste elektronische Band, von der ich mir als zarter
jugendlicher eine Schallplatte gekauft habe. Sie brachten mich zur
elektronischen Musik und im Herbst 2003 habe ich sie zum ersten Mal live
spielen sehen. In Berlin. Das war meine Gänsehaut 2003
Glasklinge.
Mein Baby meine Webseiten mein Ein und Alles seid ca. 7 Jahren. Da
steckt meine Seele drin. Mal offensichtlich, mal versteckt. Es ist
inzwischen ein großes Tier, das sich ab und zu schwer bändigen lässt.
Ich arbeite daran, dass diese Seite mich überleben wird.
Liebe.
Ist sehr wichtig für mich. Ich bin so vollkommen glücklich, wenn ich
geliebt werde und wenn ich zurücklieben darf und kann. Liebe, die kaputt
gegangen ist hat mich nie dazu gebracht an ihr zu zweifeln oder sie von
mir zu weisen. Ich glaube auch nicht, dass es jemals passieren wird.
Liebe ist eine coole, eine wichtige, eine spannende - Sache. Sie
vollends in Worten zu beschreiben wird niemals möglich sein.
Leben.
Wollte ich immer und werde ich auch immer. Ich wollte in krisen auch
niemals sterben außer vielleicht für Sekunden, weil ich viel zu
neugierig bin was noch kommen könnte. Ich kann den Gedanken nicht
ertragen, das ich sonst etwas verpassen würde.
Sonnenbrille.
Trage ich sehr gerne. Gibt mir Schutz und lässt mir die Welt anders
erscheinen. Mittlerweile trage ich lieber Sonnenbrillen, wo der
gegenüber auch meine Augen sehen kann weil es mir nicht mehr vorrangig
ums verstecken geht. Es ist mein halb durchsichtiger Duschvorhang.
Gott.
Den gibt es.
Phil: Was bedeutet das für dich ganz persönlich Kunst zu machen?
Der Schlachter:
Ich nenne es nicht Kunst machen, was ich tue. Ich mach einfach
irgendwas, das mir durch den Kopf geht. Als jugendlicher fing ich schon
an meine Single Cover zu verändern. Sie anzumalen oder anzusprühen oder
auch zu malen und Gedichte schreiben Irgendwas tun. Malen fotografieren
oder was mir ganz wichtig ist, Musik machen.
Was diese dinge für mich bedeuten? Oh man, verdammt viel. Ich werde
innerlich unruhig und unzufrieden, wenn ich eine Phase habe, wo ich gar
nichts von all diesen dingen tue. Nicht schreibe, nicht fotografiere,
keine Musik mache oder nicht mal an der Glasklinge arbeite. Dann kann es
passieren, dass ich Tage als nutzlos verstrichen empfinde. Schlimme
Sache. Ich muss produzieren, weil es ein Ventil meines innersten ist und
mich auch völligst befriedigt. Sicher ist auch ein teil
Selbstdarstellungs- Sucht dabei.
Das Wort Sucht passt nicht aber will sagen: Man zeigt sich eben auch
gerne und will Feedback oder Anerkennung. Deshalb macht man sich auch
für die Disco schick oder trägt für seine Freundin eine Feder im Haar.
Davon macht sich sicher keiner frei. Aber eines ist klar, ich mache
alles immer zuerst für mich und das ist am wichtigsten. Ich zeige es
zwar auch gerne doch zeige ich es zuerst und vorrangig mir. Ohne etwas
zu produzieren wäre ein großer Sinn meines Lebens nicht mehr vorhanden.
Dazu werde ich es nicht kommen lassen.
Phil: Ich habe viele deiner images gesehen, und muss Festellen das man
dich nicht einordnen kann.
Sehr schön finde ich z.B. auch die Schriftzüge über deine images,
brauchst du lange um ein Bild zu bearbeiten?
Der Schlachter:
Ich brauche nicht lange um ein Bild zu bearbeiten zumindest meistens
nicht und das hat auch einen Grund. Weil ich das einfach nicht mag und
keine geduld für so etwas besitze. Ich will schnelle Ergebnisse sonst
verliere ich die Lust. Mein Interesse geht auch nicht so weit, das ich
in die unendlichen weiten eines Programms wie Photoshop eintauchen
würde. Sicher wäre viel mehr machbar wenn ich das tun würde. Aber
vermutlich ginge dann auch ein spontaner Gedanke oder ein Gefühl zu
einem Bild verloren, wenn ich erst zig Ebenen erstelle und sie einzeln
bis zum erbrechen manipuliere. Es muss flott von der Hand gehen und mir
ist es dann auch nicht wichtig, perfekte images zu veröffentlichen. Das
ist bei meiner Musik nicht anders. So bin ich und das ist meine Art zu
arbeiten.
Phil: Wo machst du deine images?
Der Schlachter:
Zuhause und draußen. Das ergibt sich zufällig. Früher ganz viel in
meinem Badezimmer. Ich habe ab und zu auch mal eine Frau in die
Badewanne gelegt und los ging es ;-)
Phil: Zu welchen Situationen zückst du die Kamera?
Der Schlachter:
Wenn ich z.B. mit meiner Familie grille, dann zücke ich sie wenn ich
meine, Menschen unbeobachtet zu fotografieren. Das sind für mich die
schönsten images. Also um es kurz zu machen, ich zücke sie wenn sich mir
ein Moment aufdrängt.
Phil: Hast du deine Kamera immer dabei?
Der Schlachter:
Nein ganz und gar nicht,. sogar sehr selten. Das ist ein Manko liegt
aber daran, weil ich nie etwas plane. Und ich bin eh in Phasen
unterwegs. Ich muss meine fotografier Phase haben, die sich ab und zu
und zu selten aufdrängt. Wenn ich z.B. wie im Moment viel Musik mache,
dann hat die Camera null Raum in meinen denken. Wenn ich ehrlich bin,
dann bedaure ich das sogar. Vielleicht schaffe ich es, andere Züge bei
diesen dingen zu entwickeln. Wenn nicht, dann ist es auch ok. Passt
schon ;-)
Phil: Du berührst mit deinen Arbeiten oft empfindliche und schmerzhafte
Punkte, in der Gesellschaft.
Wie z.B. Kindesmissbrauch, oder Menschen die ein schwieriges leben
haben, und mit einem Trauma leben müssen. Auch sehr ironische Texte kann
ich entdecken.
Was treibt dich an?
Der Schlachter:
Mich treiben alle menschlichen Emotionen an die mich übermannen. Sei es
Wut über Dinge die ich lese oder im Tv anschaue. Dann kann es passieren,
das ich mich spontan daran mache, zu einer Sache meine Sicht der Dinge
darzulegen. In Wort oder Bild oder Ton. Ich kann z.B. auch sehr kreativ
sein, wenn es mir seelisch schlecht geht. Vielleicht ist das ein Ventil.
Mich kotzen auch Menschen oftmals an wenn ich sie beobachte. Dann muss
ich zynisch und ironisch werden damit ich kein verdammter Amokläufer
werde. Ich töte viele und vieles in meinen Kopf und mit meinen Worten
und das ist prima, denn ich verspüre dann nicht mehr den zwang es real
tun zu müssen. Es macht mein Leben leichter und zaubert mir fette
Lachfalten in die Fresse. Wenn ich Gesellschaftsdinge thematisiere, dann
niemals mit der Absicht zu belehren oder zu bekehren sondern, das ist
dann nur das Ding:
Hallo, das denke ich dazu, wenn du magst schau es an, wenn nicht dann
verpiss dich.
Phil: Ich kann aus vielen Texten auch kleine Alltagsgeschichten raus
lesen, ist das Zufall, oder rückst du, während du unterwegs bist, im
kopf schon zurrecht was du schreiben wirst, oder setzt du dich an deinen
PC und schreibst drauf los?
Der Schlachter:
Ich schreibe in 99 % der fälle drauf los und die Sätze entstehen in dem
Moment, wenn meine Finger die Tasten berühren. Daher gibt es in meinen
wahren erlebten Geschichten auch oftmals haarsträubend lange Sätze oder
grammatische Katastrophen. Das ist mir aber egal und macht nichts. Doch
oft ist es auch so, das wenn ich gerade eine Situation erlebt habe, das
ich in der tat fertige Nacherzählungssätze im Kopf hab. Ich drücke quasi
in meinem Kopf die Tasten und schreibe es in Gedanken. Leider setze ich
mich dann selten zuhause hin und reproduziere es, weil ich einfach keine
Lust habe. Deshalb verpuffen viele Geschichten und Texte einfach. Nicht
immer, denn wenn das erlebte zu herbe gewesen ist, dann findet es meist
doch den Weg auf die Glasklinge.
Phil: Dein Musikprojekt heißt Eisenlager (www.eisenlager.com), warum der
Name Eisenlager, was steckt dahinter?
Der Schlachter:
Meine Musik scheint technisch gesehen kalt zu sein so wie es auch Eisen
ist und unter diesen Namen lagere ich meinen Output ab, daher passt
Eisenlager bestens. Aber ich glaube wenn ich ehrlich bin, das dies eine
nachträgliche Interpretation ist. Vermutlich hatte ich plötzlich diesen
Namen im Kopf und fand ihn passend für den Industrial Atonal
Elektrischen “quatsch” den ich produziere ;-)
Phil: Wie lange machst du schon Musik?
Der Schlachter:
Mein erstes Album erschien 2004 und wurde in einem Zeitraum von ca. 12
Monaten eingespielt. Ich habe viel getestet und mich mit den
Möglichkeiten der Computer Musik auseinander gesetzt. Ich spiele kein
Instrument und kann nichts in diese Richtung. Weil ich trotzdem etwas
machen wollte wurde mein Medium der Computer. Richtig angefangen mich
damit zu beschäftigen wird um das Jahr 2000 gewesen sein. Doch brauchte
es dann noch einige zeit, bis es richtig klick machte und ich wusste was
ich und wie ich es machen will. In meiner Jugend gab es mal versuche,
Musik zu machen indem ich Musikfragmente aus anderen Liedern benutzte.
Das wurde dann auf Bänder zusammen geschnitten. Leider existieren diese
Aufnahmen nicht mehr oder was heißt leider? - Vermutlich existieren sie
zum Glück nicht mehr ;-)
Phil: Bis jetzt hast du 6 Alben produziert, bist du stolz wenn du hörst,
dass viele deine Musik bewundern?
Der Schlachter:
Ich weiß nicht so recht ob viele meine Musik bewundern. Es gibt Menschen
die es tun und mir persönlich sagen oder schreiben. Dieser Kreis ist
übersichtlich und ich kann nichts zu den anderen Besuchern sagen, die
sich zwar alle Cd’s über meine Webseite besorgen aber kein Feedback
zurückgeben. Oder meißtens nicht denn ab und zu bekomme ich auch
Gästebuch Einträge, die sehr nett klingen. Diese art von Musik ist eh
ein völliges nischen Produkt und zum teil schwere Kost und nicht
massenkompatibel. Da ich sowieso zuerst das mache, was ich selbst von
mir hören will, passt das auch so. Ich bin aber sehr sehr stolz wenn mir
Menschen sagen, das sie es mögen und schätzen was ich tue oder zu einem
speziellen Song spezielle Gedanken äußern. Es beflügelt mich und lässt
mich in weitere musikalische gärten fliegen.
Phil: Beschreibe mal deinen Musikstil?
Der Schlachter:
Oh oh, das sollten in der regel andere tun. Sagen wir es einmal so.
Meine Musikstücke sind Atonale Reisen in die Kindheit, in den Tod, in
die Gegenwart und in die Vergangenheit. Ich spiele und weine. Da ist
alles möglich. Meist ist das ganze mit einer riesigen schwermütigen
melancholischen Wolke verhangen. Selten bringt meine Musik Menschen
dazu, einen Baum zu pflanzen. Sie kann unruhig machen aber ab und zu
kann sie auch ruhig machen und ganz ganz selten gelingt mir sogar so was
wie ein Ohrwurm. Wenn du eine offizielle Schublade für den Musikstil
willst dann wird es schwierig. Einige würden sagen, Industrial, andere
vielleicht nur, elektronische Musik. Ich glaube, dass alles irgendwann
einmal darin vorkommt. Alles ist offen und anders soll es auch nicht
sein. Es ist einfach Glasklinge Elektrisch Atonal.
Phil: Wie lange existiert die Idee in deinem Kopf schon, Musik zu
machen?
Der Schlachter:
Die Frage habe ich oben schon zum teil beantwortet. Ich schätze so um
die 7 Jahre und ein großer Auslöser es dann auch endlich zu tun war mein
bester Freund Falko ( das wesen/ tagismar ) der eines Tages Texte von
mir vertont hat und einen Pool an Loops und Samples dazu benutze. Die
sterbende Sonne. Es ist geplant diese Cd Serie in Zukunft auf der
Eisenlager Webseite zum download anzubieten. Er sagte zwar nie zu mir,
das ich nun dies und das anfangen oder machen soll aber war mein
Katalysator, es irgendwann zu tun weil etwas aus mir raus drängte und
Luft schnappen wollte. Ich erstickte es nicht sondern schenkte ihm Leben
und nannte das Baby: Eisenlager.
Phil: Hast du Idole, Vorimages?
Der Schlachter:
Nicht wirklich. Ich mag viele Bands aus diesen bereich und bin auch
damit aufgewachsen. Ich habe Phasen in denen ich mal dies mal das höre.
Ich schätze sehr Brian Eno und das nächste Album, das in den Starlöchern
steht heißt: Welcome Mr. Eno und ist zu 99 % fertig gestellt. Ich lasse
allerdings den KaelteKontainer noch ein bisschen sacken und dann geht es
los. Was ich als Vorbild betrachte sind einige Bands, die man heute als
KRAUTROCK bezeichnet und die ende der 60 ziger anfingen, elektronische
Musik zu produzieren. Das vorbildhafte daran sind folgende aussagen, die
viele dieser Musiker wie z.B. Klaus Schulze oder Roedelius machten.
Sie sagten, das sie einfach nichts konnten, keine Noten und nicht
wussten, wie eine elektronische Orgel richtig zu bedienen sei also
fingen sie an sie falsch zu bedienen und diese komischen Klänge weiter
zu verfremden. Ich finde das cool. Das ist im Grunde ähnlich dem, was
ich heute auch mache. Mit anderen Worten - Mach doch einfach mal.
Irgendwas kommt raus. Immer. Das finde ich vorbildhaft und innovativ und
dem fühle ich mich verbunden.
Phil: Gehst du wenn du Musik hörst, privat in eine bestimmte Richtung?
Der Schlachter:
Privat gehe ich in allen musikalischen Richtungen. Es gibt keine grenzen
für mich. Ich höre Musik so, wie ich auch esse. Bratkartoffeln sind
genauso gut wie Tintenfischringe oder Schnitzel. Es kommt nur darauf an
worauf ich gerade Hunger habe. Ich möchte mich nicht festlegen. Ich
liebe SISTERS of MERCY genauso wie Sister Sledge. Ich höre Tangerine
Dream ebenso wie Monrose. Warum denn auch nicht?
Phil: Schon mal überlegt deine Musik zu verkaufen?
Der Schlachter:
Ja, nachdem das erste Album fertig gestellt war dachte ich daran, dass
man über die Webseite die Cd bestellen könnte und ich das privat in die
Hand nehme. Das dachte ich ungefair 56 Stunden lang und danach stand es
fest, dass meine Musik umsonst sein soll und auch für immer umsonst
bleiben soll. Die mp3 sind in allerbester cd Qualität erhältlich und
neuerdings auch das Booklet Layout, das von allen Cd’s überarbeitet
wurde.
Phil: Im Internet existierst du unter denn Namen der Schlachter.
Was bedeutet dieses Pseudonym für dich, warum hast du es gewählt?
Der Schlachter:
Wie und warum ich es gewählt habe ist schnell erzählt. Ich hörte während
einer Auto fahrt eine Cd von Peter Field. In einem Lied kam eine
gesprochene Passage und die lautete: Der Weg zum Schlachter. Die stelle
klang cool und ein paar Tage später benutze ich diesen Namen im Netz das
erste Mal für mich, weil das wohl noch in meinem Kopf rumspuckte. Das
wurde ein Selbstläufer und hat sich bis heute festgebissen obwohl ich
schon immer auch andere User Namen benutzt habe. In Bezug auf Eisenlager
und den Booklet’s nenne ich mich ausschließlich der Schlachter. Klingt
schön böse nicht wahr ;-)
Was der Name aber nun nach all den Jahren für mich bedeutet ist schwer
zu sagen. Er erinnert mich an meine Anfangszeiten im Internet, die sehr
radikal gewesen sind besonders auch im Bezug zu dem damaligen Weltfremd
Forum, das wir mit einer Truppe von Leuten betrieben. In diesem Forum
war ich wirklich ein Schlachter und so frei und toll und neu das alles
damals gewesen ist, so sehr Arschloch waren Wir doch auch. Dort haben
wir wirklich geschlachtet. Dass so etwas nicht überlebensfähig ist hat
sich dann auch später gezeigt. Es war meine Internet Pubertät. meine
Anfänge. Jetzt sind andere Zeiten am Start aber den Schlachter gibt’s
weiterhin. Er ist nur nicht mehr immer so arg böse ;-)
Phil: WeltfremdGlasklinge ist eine vielschichtige HP, ist die Seite ein
Spiegel deiner Gedanken?
Der Schlachter:
Ganz genau! Ein Spiegel aller meiner Gedanken auch der schlechten. Die
Glasklinge an sich wächst nicht mehr so schnell wie früher, weil ich
vieles auch schon einmal gesagt habe. Sie ist erwachsen geworden. Aber
auch als erwachsener wächst man noch. Das tut sie auch.
Phil: Bist du stolz darauf was du geschaffen hast, und was immer noch so
viele in ihren Bann zieht?
Der Schlachter:
Ein ganz klares JA. Ich bin extrem stolz darauf. Vieles auf der
Glasklinge wird zwar nach wie vor falsch gesehen oder interpretiert,
aber das ist vermutlich auch gut so. Der völlige gläserne Mensch möchte
ich dann doch nicht sein. Alles ist gut so. Was mir wichtig ist, nichts
ist ein Fake. Alles ist echt auf Glasklinge. Dazu steh ich.
Phil: Deine Seite ist viel besucht, du versammelst um dich eine Menge
Leute, du hast ein Forum mit fast schon Kultstatus.
War das von Anfang an so geplant?
Der Schlachter:
Mit Sicherheit NEIN. Das war niemals geplant. Glasklinge sollte nur ne
kleine private Webseite sein weil das Kindchen, das zum ersten Mal den
Kindergarten betreten hat, auch so ein Spielzeug haben wollte wie die
anderen da. Ich ging das erste Mal online und sah Webseiten wie z.B.
alleingelassen.de und so was wollte ich auch. Was auf meine Seite drauf
sollte, das wusste ich nicht. Ich wollte sie nur haben. Der Samen wurde
dann schließlich dieser Baum von heute und ich habe unzählige Nächte und
Tage da reingepowert. Millionen mal in der Woche das Layout verändert
und alles was ich bin da rein gesteckt. Ich war ruhelos und ein bisschen
dieser Ruhelosigkeit merkt man der Glasklinge noch heute an.
Dass sie einmal so viele Besucher haben würde hätte ich nicht gedacht.
Die Geschichte mit einem Forum in der heutigen art war auch nicht
geplant. Vor ein paar Jahren habe ich ein erstes Forum gestartet weil
ich eben auch eins wollte. Dieses Kinderspielzeug haben will Ding ;-)
Das lief nicht so recht und schwupp - weg damit. Zwischendurch habe ich
dann noch mal son billiges kostenloses Forum gehabt aber auch diese
Sache ist schnell eingeschlafen. Dann war eine weile ruhe. Irgendwann
eröffnete ich den Glasklinge Chat auf meiner Webseite mit Untertitel:
Talk Talk
Der schlug ein wie eine Bombe und in kurzer Zeit waren wir eine
eingeschworene Gemeinde mit festen täglichen Chattern, die den Chat
eigentlich den ganzen Tag anließen. Er war niemals leer außer vielleicht
mitten in der Nacht. Täglich haben sich neue Chatter angemeldet und im
Zuge dessen, baute ich wieder ein Forum, das mir stylisch sehr gut
gefallen hat. Ich eröffnete Rubriken mit Namen, wie man sie in keinen
Forum davor gelesen hat und diese Sache war dann doch so sehr abgehoben,
das irgendwie kein Leben in diesen Forum entstanden ist. Es dümpelte vor
sich hin wie eine Speisekammer, aus der keiner essen wollte.
Ein weiterer Grund war mit sicherheit, das man entweder nur einen Chat
an den start bringt oder nur ein Forum. Niemals beides zusammen was ich
auch aktuell mit dem Glasklinge Forum so halte. Der Chat wurde
irgendwann aus persönlichen gründen von mir geschlossen und nach einem
Server Umzug entfernte ich Chat und Forum völlig von meiner Webseite.
Dann wieder eine zeitlang nichts und plötzlich hatte ich die Idee, ein
Minniforum zu eröffnen für alle Mitglieder aus dem Glasklinge Akte
Webring. Aber außer duesterheit und mia und ich schrieb da keiner ;-)
Plötzlich wollte ich es noch mal wissen, ich arbeitete das bestehende
Layout für das Glasklinge Forum aus, stelle es online und ließ auch
Anmeldungen außerhalb des Webringes zu. Jeder der meine Seite besuchte
konnte sich auch registrieren. Merkwürdigerweise taten das plötzlich
auch ganz viele und ein bisschen Werbung außerhalb machten wir auch.
Irgendwie zeichnete sich ab, dass das Forum kein müder Schuh bleiben
würde sondern es entwickelte sich zu dem, was es heute ist. Gerechnet
hat keiner damit, am wenigsten ich selbst. Es macht mich stolz.
Phil: Wie lange existierst du als Schlachter schon im I-net, oder wie
lange gibt es schon Glasklinge?
Der Schlachter:
Glasklinge und mich gibt es im Internet seid knapp 7 Jahren. Gestartet
bin ich mit endraum und auch die Seite hatte diese Url, die es noch
heute gibt: endraum.de.vu Der Seitentitel lautete: Raum_von_End_Raum
Irgendwann wurde der Name und die Seite zur Glasklinge und ist es bis
heute und wird es immer bleiben. Der Name: der Schlachter - existiert
auch seid ca. 7 Jahren und lief immer parallel zu weiteren User Namen,
von denen ich die meisten schon lange nicht mehr benutze
Phil: Warum heißt deine Seite Glasklinge, oder/und Weltfremd? Wie kamst
auf diese Namen?
Der Schlachter:
Weltfremd ist schnell erklärt. Das ist nicht meine Erfindung. Wir waren
eine Truppe und gründeten das Weltfremd Forum. Wir gingen aus dem Silke
Bischoff Forum hervor. Der Mensch, der den Server anmietete und auch
Webspace für meine Seiten an mich untervermietet hatte, hielt die Domain
weltfremd.org - ich bekam somit Subdomains zur Verfügung gestellt wie
z.B. schlachter.weltfremd.org
Nach dem Verfall des Forums und das sich trennen von gemeinsamen wegen
wollte ich unhabhängig sein und mietete eigenen webspace für mich und
sicherte mir die Domain: weltfremd.net und vor kurzen auch weltfremd.eu
- das ist die Geschichte dazu. Der Name Glasklinge ist mir eines Tages
eingefallen und ich fand ihn passend und gut für meine Webseite.
Freundlicherweise sicherte ein Freund, der Herr Zenker die Domain
glasklinge.com für mich und vor ner zeit habe ich mir noch die
glasklinge.de gemietet.
Glasklinge ist etwas Filigranes wie auch Glas filigran und zerbrechlich
ist. Eine Klinge ist scharf und schneidet. Ich denke, dass meine
Persönlichkeit beides umfasst und so passt dieser Name perfekt zu mir
und meiner Seite.
Phil: Ich bewege mich selbst durch Glasklinge und dem Forum oft bis zu 9
stunden am tag.
Und die fühle an Beiträgen und Texten, Photos wird immer größer, und das
nicht nur auf das Forum bezogen, hast du nicht manchmal Angst denn
überblick zu verlieren?
Der Schlachter:
Nein, die angst habe ich nicht. Erstens achte ich darauf, das es von der
Mitgliederzahl her kein massen Forum wird. Hätte ich alle aufgenommen
die sich jemals angemeldet haben, so gäbe es an die 500 Mitglieder. So
was möchte ich nicht. Außerdem habe ich Moderatoren, die mir helfen. Ich
denke, dass alles noch recht gut zu packen ist und alles lesen, muss
auch nicht immer sein.
Phil: Noch ein paar letzt Worte von dir?
Der Schlachter:
Danke für die tollen Fragen Phil, die mich selbst ein bisschen
zurückführten und mich zum nachdenken über das ganze gebracht haben. Es
war spannend. Ich wünsche dir alles Liebe und beste.
Phil: Dann bedanke ich mich, für dieses Interview, und Wünsche dir glück
und erfolg.
Rezension von Das
Wesen:
www.tagismar.com
Mit „Zeitlupenzeiten"
lädt Eisenlager auf eine ganz besondere Reise ein - eine Reise durch die
verschiedenen Emotionen, die er wie in Zeitlupe einfängt. Und so eine
Zeitlupe kann auch mal über 10 Minuten in Anspruch nehmen, wie in dem
wohl beeindruckensten Opus dieser Scheibe „Irina P. Und der Schlachter".
Über den Loop aus Silke Bischoffs „The Church-Bell and the Razor-Blade"
erheben sich immer wieder klassische Linien, die wie aus einem Meer der
Emotionen aufsteigen und in ihm wieder versinken.
Im Gesamten ist „Zeitlupenzeiten" ein sehr ruhiges Album, dass über
weite Strecken klar dem Dark Ambient zuzuordnen ist. Was für fast alle
Stücke gilt, ist, dass man das Gefühl hat, sie würden sehr, sehr langsam
atmen. „Dr.B.StationX" und „Tante Zenker" fallen aus dem Rahmen durch
ihre kindliche Verspieltheit, was dem Album aber eine sehr angenehme
Abwechslung gibt. Ebenfalls besonders hervorheben möchte ich die Stücke
„Homicide on Sunday 10:50PM" und „Suicidal", die beide mit Sprachsamples
arbeiten, die nüchtern und ungedschönt verwendet werden. Diese beiden
Tracks erinnern sehr stark an eine Klingenreise, auf eine intensive Art
und Weise, wie sie zuvor bei Eisenlager noch nicht zu finden war.
Abgeschlossen und abgerundet wird das Werk durch einen Remix von
„duesterheit", der den Hörer aus der Audio-Klingenreise erwachen und in
die Realität zurückkehren läßt.
Alles in Allem das beste und geschlossenste Eisenlager-Album.
Musik, um die Zeit einmal für eine Stunde anzuhalten.
Das Wesen: 8 von 10 Punkten
Interview mit Das
Wesen:
www.tagismar.com
Ausgeblutet auf dem
Spielpatz: Eisenlager
Das nun fünfte Album des Ausnahme-Projektes EISENLAGER steht nun online.
Und wieder einmal wird deutlich, welch herrliche Spielplätze doch
Lagerhallen und Industriegebiete sein können, schön und gefährhich
gleichzeitig, aber das macht ja auch den Reiz aus. Nur dass auf diesem
Spielplatz nicht Schrauben und Spitze Gegenstände herumliegen, sonder
Samples und Schnipsel aus Märchenbücher, ein undurchdringlicher Fundus
an Klängen, und mit ihnen spielt die Glasklinge. Doch Vorsicht: Klingen
öffnen Haut. Grund genug also, den Schlachter mal zu seinem bisherigen
Schaffen, sowie dem neuen Werk „Zeitlupenzeiten" zu befragen.
DAS WESEN:
Zunächst möchte ich etwas über den Projektnamen wissen: EISENLAGER
erinnert zum einen an die Industrial-Bewegung, zum anderen aber auch an
einen Club in Oberhausen. Wenn man sich besonders Dein erstes Album
anhört, fallen einem gerade die Bezüge zur industriellen
Arbeiter-Bewegung auf. Woher kommt also die Namenswahl, und welches
Konzept steht hinter EISENLAGER?
DER SCHLACHTER:
Guten Tag. Diesen Club in Oberhausen kenne ich auch und zwar als
Besucher, wenn auch eher selten. Bei der Namesgebung spielte er keine
Rolle und ich glaube sogar, dass er nicht einmal in meinem Kopf
rumschwebte. Mir war von Anfang an klar, was für Musik ich machen würde
und das sollte und musste sich im Projekt-Namen widerspiegeln.
Eisenlager macht Industrielle Musik und genau das sagt Eisenlager als
Namen aus. So bin ich angetreten, aber ich gebe zu, dass sich alles
verschiebt. Ist das noch industriel und kalt? Ich glaube fast, dass
alles nur meine Seele spiegelt und die ist nicht kalt. Allerdings
befürchte ich, dass der eilige Zuhörer das nicht erfassen wird und auch
gar nicht kann. Dazu gehört Hintergrundwissen und evt. auch ein latentes
Kennen meiner Person. Grob gesagt wird man Industrial sagen. Fein gesagt
ist es aber nur - Der Schlachter. Das musste ich selbst mit der Zeit
erst einmal erkennen. Ich benutze die Musik, um das zu machen, was ich
gerade nicht aufschreibe. In aktueller Zeit um so mehr. In diesem Sinne
ist das Konzept, Eisenlager zum Kanal meiner Worte und Emotionen zu
machen.
Ich denke damit erübrigt sich die Frage ob es Bezüge zur Industriellen
Arbeiterbewegung und zur Industrial Szene gibt. Nein die gibt es nicht.
Der Bezug bin ICH.
DAS WESEN:
Liegt bei Deinem Projekt mehr die Bedeutung auf dem Wort EISEN oder mehr
auf dem Wort LAGER?
DER SCHLACHTER:
Gute Frage. Darüber habe ich niemals nachgedacht. Wenn ich bedenke,
worüber ich oben in meiner Antwort geschrieben habe, kann der
Schwerpunkt nur auf dem Wort LAGER liegen. Ich lagere MICH dort mit der
Musik ab. Ich lagere Eisen ab. Aber Eisen kann auch glühend heiß sein.
Ich bin glühend heiß.
DAS WESEN:
Deine Musik läßt sich nicht unbedingt klar der Industrial-Bewegung
zuordnen. Stellenweise erinnert sie an Dark Ambient, aber auch an alte
Krautrockscheiben. Welche Einflüsse sind für Dich besonders prägend?
DER SCHLACHTER:
Nun gut, ich sagte etwas zu der Intention dieser Musik und ihrer
Daseins-Berechtigung für mich. Jetzt fragst du, wie diese Form
entstanden ist; so wie man ein Tagebuch auch am PC oder auf Papier
schreiben kann. Ich schätze, das mich vieles beeinflusst, doch eher am
wenigsten der Krautrock, denn es ist lange her, als ich einiges aus
diesem Bereich regelmäßig konsumiert habe. Dark Ambient ist ein Teil
meines Musikerlebens bzw. etwas, das ich immer wieder konsumiere und
eigentlich dachte ich, das mein neues Album meine Gedanken auch eher in
diese Richtung transportieren wird. Doch ich bin machtlos, weil ich nie
etwas plane, sondern ein Musikstück in diesen Moment so entsteht, wie es
aus mir blutet. Ich könnte dir sehr viele Projekte aus den letzten 20
Jahren nennen, die mich begleitet und sicher auch geprägt haben. Jedoch
ist das ein unbewusster Prozess während meiner Arbeit an Eisenlager und
läuft nicht in dem sinne ab, etwas zu machen, was so oder so klingt. Das
sind Abläufe auf tiefer Ebene, die ich nicht hinterfrage und daher wird
es meist eher zufällig sein, dass dieses oder jenes Stück an dies oder
das erinnert. Wir sind das, was wir waren. Und ich war ALLES. Ich möchte
kurz noch einmal etwas zu Samples sagen. Samples sind weit verbreitet in
dieser Szene. Ich habe als Jugendlicher mit Plattenspieler und
Kassettenrecorder Musikstücke gemacht, die aus unzähligen Schnipseln
anderer Musikstücke zusammen geschnitten waren. Ich schnitt also Samples
rein und zusammen – Musik und Sprache. Zu dieser Zeit machte das niemand
auf einen Tonträger. Nur ich und hunderte andere Jugendliche weltweit in
ihren Kinderzimmern ;)
DAS WESEN:
Ja, ich auch ;)
Deine einzelnen Alben stehen ja nach Deinen Aussagen nicht unter einem
Konzept. Dennoch klingen sie für mich so, als müssten sie genau so
zusammengestellt sein. Nach welchen Kriterien entscheidest Du Dich für
die Zusammenstellung eines Albums und die Reihenfolge der Stücke?
DER SCHLACHTER:
Ja diese Aussage habe ich gemacht und doch trifft sie genau auf mein
letztes Album ZEITLUPENZEITEN nicht mehr zu. Es sollte ohne Konzept auf
längeren Zeitraum entstehen und Schnipsel meiner jeweiligen Situation
wiedergeben. Doch an dem Tag als ich begann, entstand das Konzept und
ich erarbeitete Zeitlupenzeiten in 7 Tagen. Das muss jetzt nicht immer
so ablaufen aber es kann. Ich plane in kurzer Zeit wieder etwas zu
erarbeiten und kann dir nicht sagen, ob es ein Konzept oder ein
zusammenfassen von Wochen oder Monaten wird. Die Reihenfolge der Stücke
entscheide ich ganz zum Schluss. Ich höre mir alles immer wieder an und
normalerweise entscheide ich aufgrund von Hörbarkeit und Abwechslung.
Zeitlupenzeiten stellte ich allerdings nach einem inneren Drehbuch der
Stücke zusammen. Ich weiß genau, was ein Track bedeutet und die
Reihenfolge der Ereignisse, die wiedergegeben werden. Dieses Album läuft
Stepp by Stepp.
DAS WESEN:
Arbeitest Du meistens an einem einzelnen Stück, oder läuft die
Komposition an mehreren Stücken parallel?
DER SCHLACHTER:
Nie parallel. Ich arbeite immer nur an einem Stück und es geht erst
weiter, wenn es fertig ist. Es kommt vor, das ich nachträglich etwas
ändere, obwohl ich woanders beschäftigt bin. Hierbei handelt es sich
meist um Kleinigkeiten. Ich kann das auch gar nicht anders. Ich bin
schließlich ein Mann und keine Frau ;)
DAS WESEN:
Welche Kriterien müssen für Dich erfüllt sein, damit ein
Eisenlager-Album vollendet ist?
DER SCHLACHTER:
Ich muss ausgeblutet sein ;-)
Mal im ernst, auch wenn da ein Tropfen Wahrheit drin steckt, um die 9 –
10 Stücke will ich präsentieren. Ist es mehr, weil einfach mehr kommt,
dann ist das in Ordnung. Ich fühle irgendwie, wenn es genug ist. Dann
habe ich alles gesagt und bringe das in diesem Rahmen auf die Welt. Ich
kann noch sovieles sagen und jedes Mal gibt es ein Album. Ich muss es
nicht auf einmal tun. 20 Stücke sind Schwachsinn.
DAS WESEN:
Ton 1, tonAtom und verTont sind sehr abstrakte Titel für Alben, wie man
sie besonders aus der modernen ernsten Musik kennt. Wie bist du auf
diese Titel gekommen?
DER SCHLACHTER:
Ton 1 sagt nur, dass es die erste CD ist. Ganz einfach. Diese Wortspiele
gefielen mir und ich führte das fort, weil die Alben auch kein Konzept
hatten. Ich mochte auch die minimale Art der Aussage. Es liest sich
schön. Bauhaus eben ;)
DAS WESEN:
Dein viertes Album trägt den Namen CRAZY ENGLISH SUMMER. Du wählst damit
zum ersten Mal einen assoziativen Namen für ein Album, und nicht einen
Abstrakten. Gab es dafür besondere Beweggründe? Hast Du persönlich einen
crazy english summer erlebt?
DER SCHLACHTER:
Nein, einen Cracy Summer habe ich zu dieser Zeit nicht erlebt. Dieser
Name ist eine Hommage an das Projekt FAITHLESS, denn ich hörte zu dieser
Zeit deren Alben rauf und runter und speziell der Song CRAZY ENGLISH
SUMMER hat es mir angetan. Dido's Stimme ist einfach wundervoll. Mein
Album war fertig und plötzlich nannte ich es so. Das Lied ist
melancholisch. Ich bin auch melancholisch, wenn ich etwas abschließe. Es
passt.
DAS WESEN:
Dein neues Album trägt den Titel ZEITLUPENZEITEN. Was bedeutet dieser
Begriff für Dich?
DER SCHLACHTER:
Es bedeutet für mich, dass ich eine schöne Zeit in Zeitlupe noch einmal
erleben möchte. Und diese Zeitlupe möchte ich dann wieder zu einer
Zeitlupe machen, bis es niemals mehr endet. Außerdem hat die CD ein
Konzept und Bezug und Zeitlupenzeiten ergibt sich aus dem englischen
Slow motion times - eine Textzeile aus - On the other Side von der Band
SILKE BISCHOFF. Silke Bischoff hat etwas mit dem Konzept zu tun und der
Album Titel erschien mir passend und sagt alles aus.
DAS WESEN:
Das Cover erinnert an images von Hovi M. (Endraum). Welche Idee steht
hinter dem Bild?
DER SCHLACHTER:
Diese Verbindung zu Endraum ist mir selbst noch gar nicht aufgefallen,
allerdings ist da etwas dran. Das Bild ist ein Zufalls Produkt. Ich
fotografierte den Wohnzimmerschrank der Frau, der ich dieses Album
gewidmet habe. In einer Ecke stand dieser Kopf der auf dem Cover zu
sehen ist. Ich arbeitete ihn herraus und was konnte passender sein, als
ihn fürs Coverlayout zu verwenden. Ohne Mund - ohne Augen - ohne Worte.
Manchmal fühle ICH mich so. Manchmal fühlt SIE sich so. Manchmal fühlen
wir ALLE uns so.
DAS WESEN:
Viele Titel auf dem neuen Album wurden nach Mitgliedern aus dem
Weltfremd-Forum benannt. Wie kam es dazu? Was verbindest Du an den
einzelnen Stücken mit den jeweiligen Personen?
DER SCHLACHTER:
Um das zu beantworten muss ich näher aufs Konzept von ZEITLUPENZEITEN
eingehen. Es ist Irina P. gewidmet und im Grunde uns beiden. Es gibt
auch einen Song mit Namen: Irina P. und der Schlachter.
Ich habe sie durch mein Forum kennen gelernt und wir wurden ein Paar.
Jeder Titel des Albums zeigt Stationen unserer Liebe – ihres Lebens und
ihrer Persönlichkeit. Meine Persönlichkeit. Insider Situationen aus der
Beziehung und vieles mehr. Zwei Stücke tragen Namen von Mitgliedern des
Glasklinge Forums. Zuerst der Tiefbunker. Er hat sie damals ins Forum
geholt indem er sagte, - schau es dir an, das könnte etwas für dich
sein. Dem musste musikalisch ein Denkmal gesetzt werden. Tante Zenker
steht für das Forum in dem wir viel Zeit verbracht haben und uns anfangs
überhaupt kennen lernten. Es gehört zu uns. Da steckt viel Seele und
Herzblut von uns beiden drin. Tante Zenker ist quasi ein Mitgründungs
Mitglied des Forums. Er ist mein Techniker und Freund, den ich zwar nur
alle paar Jahre sehe, jedoch sehr schätze. Und er führt den Forums Tante
Emma Laden ;)
DAS WESEN:
Eins deiner neueren Stück heißt GLASKLINGE. Hat dieser Titel etwas mit
deiner Internet-Seite zu tun? Gibt es einen Grund, warum der Song auf
dem neuen Album nicht enthalten ist?
DER SCHLACHTER:
GLASKLINGE entstand schon vor ein paar Monaten und sollte ein erster
Motor dieses Albums werden. Ich stellte ihn fertig aber es kam nichts
mehr. Es ging nicht voran. Eigentlich gedachte ich, damit eine kleine
Hommage an meine Webseite die GLASKLINGE zu machen, in der mein ganzes
Leben und Herzblut drinsteckt. Aber dieser Song ging nicht verloren. Ich
habe ihn erweitert und umbenannt. Er wurde in das Konzept eingebunden,
denn auch meine Webseite gehört zu der Geschichte der Irina P.
Er heißt - Another rainy Day – verbindet sich dadurch wieder mit Silke
Bischoff aus dem Song- Silent War – der eine spezielle Bedeutung für uns
beide hat.
DAS WESEN:
Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff der GLASKLINGE und dem
Ausdruck KLINGEN ÖFFNEN HAUT?
DER SCHLACHTER:
Glasklinge, der Name meiner Webseite verbindet das Filigrane
Zerbrechliche mit dem Scharfen Gefährlichen Zerstörbaren. Das bin Ich.
Das sage ich aus. Das ist meine Etikette. Klingen öffnen Haut ist der
Name einer Unterseite von Glasklinge. Dort gibt es imagesreisen mit
Texten und sie beschäftigen sich jeweils mit einem bestimmten Thema, das
mich beschäftigt. Klingen öffnen Haut - geöffnete Haut spürt mehr
Emotion und mehr Schmerz als alles andere. Ich will meine Besucher
öffnen und sensibel machen für das Thema, das ich gerade behandle. Und
ich behandle es zum teil krass und scharf wie mit Klingen. Wenn es um
Beschneidung bei Frauen geht, brauche ich keine Watte, sondern schlage
es euch ins Gesicht, bis ihr das kapiert. Nicht jede Reise ist ernst.
Humor ist das Leben und einiges beschäftigt sich auch einfach nur mit
mir. Allerdings ist dieser Name ursprünglich etwas anders entstanden.
Ich schnitt mir beim rasieren in die Lippe und fotografierte das. Dieses
Bild stellte ich online mit ein paar anderen in reihe, nannte es KLINGEN
ÖFFNEN HAUT und setzte Texte von mir dazu. Das war meine erste kleine
imagesreise ohne zu wissen, dass es weitergeht und ein Konzept draus
erwächst. Die images standen im Netz und der Gedanke wurde geboren,
etwas Neues daraus zu machen. So entstand KLINGEN ÖFFNEN HAUT und es
wird immer weitergehen. Eisenlager ist KLINGEN ÖFFNEN HAUT mit anderen
Stilmitteln.
DAS WESEN:
Du setzt Dich auf sehr drastische Weise mit den Themen Kindstod,
Kindermord, Kindesmißbrauch und Selbstmordgedanken von Jugendlichen
auseinander. Einige deiner Reisen erscheinen auch, wenn diese Themen
wieder aktuell in den Medien sind. Was berührt Dich an diesen
Schicksalen besonders?
DER SCHLACHTER:
Oh jetzt soll ich ins Detail gehen, obwohl ich das ja schon auf der
KLINGEN Seite tue. Also: diese Themen berühren doch jeden irgendwie,
oder? So eine Reise entsteht nicht allgemein sondern durch Auslöser. Sei
es, dass ich zufällig eine Gedenkseite für ein Selbstmord Kind finde
oder in der Zeitung lese, dass irgendwo wieder eine kleine Anna
verschwunden ist. Oder ich schaue einen Film, so wie damals – Virgin
Suicide. Einiges entstand aus persönlichen Kontakten mit Menschen, die
das eine oder andere selbst erlebt haben und mir erlaubten – eine Reise
zu ihren Erlebnissen zu machen. Sie stellen mir Material zur Verfügung,
das zum Teil sehr intim ist. 10.000 Menschen starben bei einem Erdbeben.
Du sitzt da und liest diese Zahl und es ist schrecklich. Keine Frage.
Aber es sind 10.000 Menschen. Das ist Abstrakt. Wenn du allerdings die
Geschichte einer Person verfolgen kannst, wie sie lebte, wie sie
versuchte zu überleben, wie sie gestorben ist, dann packt dich das an
ganz anderer tiefer Stelle. Genau das versuche ich mit meinen Reisen zu
machen, sofern mir einer dazu die Möglichkeit gibt.
DAS WESEN:
Könntest Du Dir vorstellen, EISENLAGER auch live zu präsentieren? Wie
würde dann ein Konzert ablaufen?
DER SCHLACHTER:
Eisenlager wird es niemals live geben und das ist so sicher, wie das
Amen in der Kirche ;-) Ich wüsste auch gar nicht, wer auf solch einen
Konzert kommen sollte. Ich kann ein paar Leute in mein Wohnzimmer
einladen und wir spielen die CD und ich mache im Räucherstäbchen-Nebel
und mit Sonnenbrille ein paar geheimnisvolle Bewegungen ;)
Im ernst, wie soll ich das umsetzten als unmusikalischer Mensch der ich
bin? Ich spiele kein Instrument. Ich kreiere elektronisch. Da sieht es
mager aus. Oder hast du eine Idee?
DAS WESEN:
Wenn mir was einfällt, werd ich Dich davon unterichten :-)
Wir können also weiterhin gespannt sein, was uns EISENLAGER und die
GLASKLINGE noch zu bieten haben. Nun noch ein letztes Wort an die Leser:
DER SCHLACHTER:
Danke für das Interview und ich hoffe doch, dass ich meine Klingen
Zerschnittene Persönlichkeit ein bisschen näher bringen konnte. Wer
immer noch nicht durchblickt, möge sich meine Seite anschauen und dazu
Eisenlager hören ;)
Ich danke allen, die meine Musik und mein Schaffen begleiten. Auf
weitere 5 Jahre…
www.eisenlager.com
www.glasklinge.com
Das Wesen:
www.tagismar.com
Rezision
http://www.feindesland.de/
Ergreifend schön!
Auf der Suche nach interessanten Projekten, für unsere Leserschaft, bin ich bei
MP3.de zufällig auf Eisenlager gestoßen. Die erste Frage vieler Leser ist ja
immer: 'Wo bekomme ich die CD oder die LP von dem Projekt?' Bei 'Eisenlager' ist
der Vertriebsweg hervorragend, keine Schlange an überfüllten Kaufhauskassen,
kein Warten auf die Post bei Onlineversendern. Frau oder Mann surft auf die
Webseite: http://www.eisenlager.com und kann sich alle Alben des Projektes
herunterladen und bezahlt keine Cent dafür (Vorraussetzung DSL Flatrate, mit
ISDN und Anlog wird das ein Krampf und eine Geduldsprobe.).
Warum Herr N. K. seine Werke ausschließlich im Internet veröffentlicht und nicht
auf CD presst weiß ich nicht, aber ich werde versuchen für Euch ein Interview zu
organisieren, wo wir diese Frage und andere Fragen dann für Euch klären werden.
Wer jetzt denkt das die Aufnahme wie Soundqualität minderwertig ist, liegt
völlig daneben und wird über das sehr gute Ergebnis von Eisenlager überrascht
sein.
'ton1' ist die erste Veröffentlichung von Eisenlager und ist eine Mischung aus
Industrial & Ambient. Der Projektleiter von 'Eisenlager' beschreibt sein Projekt
so 'Eisenlager = atonal industrial ambient musik'. Er verknüpft auch noch Kunst
in sein Projekt, mit den sehr künstlerisch gestalteten Covers und der sehr gut
konzipierten Webseite.
Die Musik bewegt sich zum Grossteil im Mittempobereich und ist sehr sphärisch
komponiert worden. Wer auf sehr eigenwillig konzipierten Industrial steht sollte
hier unbedingt mal ein Ohr wagen. Herr N. K. vermischt so viele unterschiedliche
Soundsamples und Voicesamples in seinem Projekt Eisenlager, das man als Hörer
bei jedem Hören wieder etwas Neues entdeckt. Drei Tracks aus diesem Album möchte
ich Euch ein wenig genauer vorstellen:
- 'Die Familie' erinnert den Hörer an die Zeit des deutschen
Wirtschaftsaufschwunges. Eine Melodie aus der Werbung eingebunden in sehr stark
betonte tiefgründige Industrialsoundcapes.
- 'Hong Kong - Speed' hingegen wartet mit klassischen Soundelementen auf, die
aus der Zeit des Barocks bekannt sein dürften, die verbunden sind mit einer
Ambientsoundcollage.
- 'Robbi stirb langsam' ist der Klassiker auf dieser Veröffentlichung, ein
Mischung aus Voice und Soundsamples gekoppelt mit Drum and Bass.
Diese Album 'ton1' ist so vielschichtig aufgebaut, dass für jeden Hörer etwas
dabei ist. Wer Zeit und Muse hat setzt sich einen Abend hin und hört diese Album
ein paar mal und wird sich dann auch noch die beiden anderen Alben von
Eisenlager herunterladen.
Ob Eisenlager noch ein Newcomer ist weiß ich nicht, aber es ist ein Projekt was
einem größeren Publikum vorgestellt werden muß. Eine sehr interessante Mischung
aus verschiedenen Komponenten, die den Hörer ergreift und in seinen Bann zieht.
Warum sind gewisse Projekte auf einem Label obwohl sie da nix zu suchen haben
und Eisenlager wird dem Hörer ohne Label angeboten das sollte den innovativen
Hörer nachdenklich stimmen.
Bewertung:
Punkte (Innovation): 10 von 15
Punkte (Gesamt): 12 von 15

interview mit http://www.neo-form.de
1.) Wann hast du mit dem
Musikmachen begonnen? Gab es dafür ein auslösendes Ereignis?
Mit dem Musik machen hab ich recht spät angefangen. Irgendwann 2001 beschäftigte
ich mich gedanklich damit und überlegte, welches das beste Medium für mich sein
könnte. Ich spiele kein Instrument und besitze auch keine Ambitionen in diese
Richtung. Die Lösung und der einzige Weg für mich, um meine Ideen zu
verwirklichen bestand darin, einen Computer anzuschaffen. Das Internet und die
damit verbundenen Möglichkeiten der „Selbstdarstellung“ ließen die ganze Sache
jedoch zuerst in den Hintergrund treten und ich konzentrierte mich darauf,
Webseiten in Hülle und Fülle zu schaffen ;-) Ich weiß gar nicht genau wie viele
Webseiten sich unter dem Dach der Glasklinge befinden, aber es sind nicht
wenige. Doch der musikalische Gedanke blieb weiterhin präsent. Ich bin mit Musik
jeder Art groß geworden, lernte seinerzeit Einzelhandelskaufmann in einem
großen, privaten Schallplattengeschäft und arbeitete später für diverse
Plattenfirmen. Ich sog alles in mich rein was es gab. Das hatte zur Folge, das
ich aus fast allen Musikstilen irgendetwas für mich finden konnte und kann. In
dieser Hinsicht offen zu sein ist sehr wichtig für mich. Elektrische Sachen
faszinierten mich besonders stark. Angefangen von Tangerine Dream über Kraftwerk
bis zu Brian Eno und die ganze Palette. Und wie gesagt, irgendwann überfiel mich
der Wunsch, auch so etwas zu machen. Ich wollte nicht einen speziellen Stil
dieser Bands kopieren, sondern einfach etwas machen. Das aus meinem Kopf lassen,
was sich unweigerlich formierte. Ende 2002 nahm die ganze Geschichte Formen an
und ich beschloss, dieses Ziel nun konsequent zu verfolgen.
2.) Wo liegen deine musikalischen Wurzeln? Kannst du uns einige Alben oder
Künstler nennen, die deine Entwicklung im Laufe der Zeit ganz besonders geprägt
haben?
Das ist schwierig zu sagen. Meine Wurzeln liegen sicher im elektrischen Bereich
und meine ersten LP’s waren unter anderem Schallplatten von Kraftwerk wie z.B.
Ralf und Florian. Doch auch dem Trash war ich nie abgeneigt und ich weiß noch,
wie mich Amanda Lear faszinierte und ich mir ein, zwei Platten besorgte. Ich hab
musikalisch alles mitgemacht, besonders ab dem Zeitpunkt, als ich in diesem
Schallplattengeschäft gearbeitet habe. Ich baute eine Abteilung für
elektronische Musik auf und hörte jeden Donnerstag im Radio die Sendung
„Schwingungen“. Man kann sagen das meine Wurzeln ein großer Brei und für mich
selbst auch nicht ganz zu durchschauen sind. Ich könnte allerdings auch
unzählige Bands der achtziger/neunziger Jahre nennen, die ich ziemlich von
Anfang an verfolgte. Sei es KLINIK, SUICIDE COMMANDO, DIVE, FRONT242 und
überhaupt die belgische EBM Szene. Doch meine Musik hat sicher rein gar nichts
damit zu tun. Zumindest nicht bewusst. Beeinflussen tut uns alles und sei es das
Zwitschern eines Vogels ;-)
Es gab aber eine Zeit in der ich viel Musik von P.A.L, IMINENT STARVATION oder
auch SCHILLER hörte. P.A.L hat mich besonders fasziniert. Ich glaube fast, sogar
ein bisschen beeinflusst.
3.) Ist „Eisenlager“ ein willkürlich gewählter Name? Was bedeutet er für dich?
Ein einprägsamer Name ist mir wichtig. Es gibt perfekte Bandnamen - wobei ich
damit nicht Eisenlager meine. Sisters of Mercy – Depeche Mode – Silke Bischoff -
Lustmord und das ließ sich unendlich weiterführen. Einmal gelesen und in der
Regel bleiben sie sofort hängen. Das ist eine Sache mit der ich mich gedanklich
schon immer beschäftigt habe. Und ein Name muss laut ausgesprochen schön
klingen. Das letzte Kriterium ging bei Eisenlager wohl in die Hose ;-)
Ich habe viel nachgedacht, welcher Name meine Sounds widerspiegeln könnte.
Elektrisch und kalt, zum Teil monoton. Eisen ist kalt. Eisen gibt es in vielen
Formen. Eisenlager sagt das am Besten aus, wobei es passieren könnte, dass er
irgendwann nicht mehr zum Konzept der Musik passt. Das ist mir egal. Er wird
voraussichtlich mein Label bleiben.
4.) Was ist die Intention hinter deiner Musik? Was treibt dich dazu, Musik zu
machen?
Ich habe Sounds in meinem Kopf. Und ich fühle immer großen Respekt Künstlern
gegenüber, die es schaffen, mich mit einem Musikstück zu treffen. Das erfüllt
mich und treibt mich an, etwas zu erschaffen. Auch wenn es abgedroschen klingt:
Ich mache diese Musik eigentlich nur für mich. Ich kann nichts (musikalisch) und
behaupte, dass ich ein Dilettant bin. Learning by doing ist auch meine Devise
bei den Webauftritten der Glasklinge. Ich finde das nicht schlimm. Mein Ziel
ist, es zu tun und wenn das sogar jemand gut findet freu ich mich sehr und es
treibt mich umso mehr an. Ich möchte nichts beweisen, sondern meinem Gefühl
folgen. Gefühle müssen nicht technisch perfekt sein
Sondern widerspiegeln. Und genau das versuche ich, das ist mein Motor. Und eine
gehörige Portion Verspieltheit ist auch dabei.
5.) Was bedeutet der Begriff „musikalische Avantgarde“ für dich, und erhebst du
für dich den Anspruch, avantgardistische Musik zu schaffen?
Avantgarde ist immer eine Nische und nur einem sehr kleinen oder speziellen
Publikum zugänglich. Diese Menschen kümmern sich nicht darum, etwas zu schaffen,
das massenkompatibel ist, sondern folgen nur der inneren Stimme. Beste
Voraussetzungen, um Kunst zu schaffen. Sie bezeichnen sich allerdings nicht
unbedingt selbst als Künstler. Das tun andere. Ich irre mich vielleicht auch und
es gibt Ausnahmen. Ohne Künstler, die ihren eigenen Weg konsequent gegangen
sind, gäbe es viele Dinge nicht, die heute selbstverständlich sind. Als
Kraftwerk 1968 unter dem Namen ORGANISATION ihre ersten musikalischen Wege
gegangen sind war das sicher Avantgarde in Reinkultur und der Nährboden für
alles, was kommen sollte oder sich absplitterte. Avantgarde ist damit auch ein
Nährboden für Dinge, die da kommen und daraus entstehen. Heute ist das
schwierig, denn vieles gibt es schon und Innovation entsteht selten. Ich erhebe
in keinster Weise Anspruch darauf, Avantgarde oder Kunst zu sein. Das wäre
vermessen und berechnend. Ich konstruiere einfach etwas und sage: hier – für
dich – spuck aus oder schluck runter ;-)
6.) Du bezeichnest deinen Stil als „atonal industrial ambient musik“. Worin
siehst du bei deiner Musik einen Unterschied zu anderen
Industrial/Ambientprojekten?
Dass sie im Gegensatz zu mir professionell sind ;-) Und das meine ich sogar
ernst. Ich weiß in der Tat nicht, was ich zu mir sagen soll und würde. Ich mache
es einfach und zwar so, wie es mir möglich ist. Ich kann und will mich nicht
vergleichen. „atonal industrial ambient musik“ sind Schlagworte, die ich zur
groben Umschreibung gewählt habe. Alles braucht eine Schublade, was ich
allerdings nicht schlimm finde. Ein Freund von mir hat diese Musik allerdings
ganz anders beschrieben und wahrscheinlich trifft das den Punkt. Zitat:
Wenn überhaupt, dann ist das ein 30 Jahre zu spät produzierter Krautrock ala
Klaus Schulze feat. Tangerine Dream nach einem Sonntag vor dem Fernseher mit
Kinderkanal und einer Bong mit Früchtetee gefüllt. Dudel das ganze rauf und
runter, und weiß nicht, ob ich schwarze Kerzen und Patchouli oder
Räucherstäbchen und Glückstee auflegen soll. Zitat-Ende.
Mir gefällt was er sagt. Ich glaube er hat recht ;-)
7.) Bisher hast du drei Alben veröffentlicht. Siehst du, für dich persönlich,
eine musikalische Entwicklung, die man daran verfolgen kann? Wenn ja, worin
besteht sie?
Ich bemerke, das ich mich momentan mehr auf schwebenden Klängen bewege. Auf dem
neuen Album wird es ein 18 Minuten langes Stück geben, das mehr zum Einschlafen
als zum Zuhören animiert ;-)
Allerdings sind das auch Ausnahmen. Eigentlich steht nie fest, was als Nächstes
passiert.
Ist das eine musikalische Entwicklung? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Im
technischen entwickelt man sich immer weiter, das ist keine Frage, aber alles
andere ist offen und wird es immer bleiben. Vielleicht gibt es in Zukunft
gesprochene oder gesungene Texte, so wie auf HURT. Oder ich blase nur noch auf
dem Kamm und cover Kraftwerks Autobahn ;-)
Ich lass mich überraschen.
8.) Dein erstes Album, Ton 1, empfinde ich als etwas uneinheitlich. Stehen die
Songs unter einem gemeinsamen Thema? Oder wolltest du einfach nur
experimentieren und deinen Stil finden?
Nein, Ton 1 steht unter keinem Thema wie überhaupt keines der Alben. Das wird
auch in Zukunft nicht der Fall sein. Es spiegelt das wieder, was mich zu dieser
Zeit beschäftigt hat und auch meinen Gemütszustand während der Produktion der
einzelnen Songs. Und das mag oftmals wirr oder zusammengewürfelt erscheinen. Das
liegt daran, dass mich meine persönlichen Stimmungen zu bestimmten
Soundspielereien veranlassen. Und dafür kann es kein Konzept oder gemeinsames
Thema geben. Das Experimentieren selbst ist das Konzept. Ich suche nicht meinen
Stil. Ich als Mensch und ich mit meinen Fähigkeiten bin der Stil. Man könnte
sagen, das Eisenlager eine akustische Version der Glasklingen-Allianz ist.
Schaut man auf meine Webseiten wird man ein Chaos an Gefühlen finden und alles
ist miteinander verstrickt. Eisenlager ist ein Steinchen im Ganzen. Und dieses
Steinchen ist ziemlich rau.
9.) Deine Samples reichen von Chorälen und klassischer Musik, bis hin zu in
eindeutiger Weise stöhnenden Frauen. Nach welchen Kriterien wählst du diese
Samples aus? Geht es dir dabei um inhaltliche Zusammenhänge zwischen den Samples
und den Titeln der entsprechenden Tracks? Oder möchtest du einfach Kontraste
setzen?
Ich liebe Samples ;-) das wird immer ein Bestandteil meiner Musik bleiben. Mal
mehr, mal weniger. Manchmal benutze ich sie einfach als Kontrast. Das spiegelt
gut meine Persönlichkeit wieder und macht mir unheimlich viel Spaß. Doch zum
Teil stellen sie auch Zusammenhänge her. Nehmen wir den Song HELGA DEEN. Ich las
im Spiegel einen Artikel über Helga Deen. Sie war ein kleines Mädchen im
gleichen Alter wie Anne Frank und hat auch ein Tagebuch geschrieben, das erst
jetzt entdeckt wurde. Die Geschichte hat mich beschäftigt und ich wollte das
umsetzen. Im letzten Drittel erscheint ein Sample von PIPI LANGSTRUMPF. Der Song
ist schwer und düster, voller Tod und Angst. Dann dieses unbeschwerte Mädchen
Pipi Langstrumpf und sie singt von einer schönen Kindheit, die Helga nie hatte.
So entstehen Soundideen bei mir. Allerdings gibt es auch spaßige Vorgaben. Du
erwähnst das Frauengestöhne in INTER VAGINAL TONAUFNAHME. In einer intimen
Situation mit einer Frau begannen wir rumzublödeln. Sex sollte nicht zu ernst
sein ;-) Ich sagte im Scherz, dass es doch prima wäre, dort unten ein Mikro zu
platzieren und das einmal aufzunehmen, um zu hören was da so abgeht. Und sie
sagte, dass wäre dann eine INTER VAGINAL TONAUFNAHME. Diese Wortkombination
hatte es mir sofort angetan und ich musste das verwenden. Dazu passte einfach
dieser Sample aus HARRY UND SALLY ;-)
Es kommt auch vor, dass der Song um das Sample herum entsteht. Da ist alles
möglich und es passiert immer wieder anderes.
10.)
Du hast mir erzählt, dass du zum Teil Textpassagen aus Kinderbüchern einfügst.
Kannst du uns einige Buchtitel davon nennen und uns erzählen, warum du gerade
sie ausgewählt hast, und was dich daran im Besonderen, und an Kinderbüchern im
Allgemeinen, berührt?
Da haben wir uns ein bisschen missverstanden. Ich benutze sehr gerne
Kinderlieder, bzw. Erkennungsmelodien diverser Kindersendungen. Sei es Herr
Rossi, Barbapapa, Karlson vom Dach und - wie auf dem kommenden Album - der
Michel aus Lönneberga ;-)
Und viele mehr. Das macht mir große Freude, weil ich damit aufgewachsen bin.
Natürlich kann es befremdlich wirken, so etwas in diese unharmonische Musik
einzuflechten. Aber zum Glück hab ich keinen Produzenten im Nacken der sagt:
So geht das aber gar nicht!!!
Kinder sind etwas Schönes und ich versuche mir das Kindliche zu bewahren. Sicher
drückt sich das dann dadurch auch aus. Ich lass mich gewähren. Mir bleibt auch
gar nichts anderes übrig ;-)
11.)
Hat sich dein Verhältnis zur Musik durch den Prozess des Musikmachens verändert?
Bist du kritischer geworden? Hörst du auch andere Musik inzwischen „mit anderen
Ohren“ oder unter anderen Kriterien?
Nein, da hat sich rein gar nicht verändert. An Musik geh ich nach wie vor
kindlich ran. Entweder gefällt mir etwas oder nicht. Die Musikrichtung ist mir
in diesem Fall egal. Warum soll ich nicht etwas von Marianne Rosenberg mögen und
gleichzeitig zig Cd’s von David Bowie besitzen? Ich lasse mich nicht limitieren
und halte meine Ohren in alle Richtungen offen. Bewusst geworden ist mir, was
für ein harter Weg es mitunter ist, eine Idee umzusetzen und davor habe ich mehr
denn je Respekt. Alles ist von Stimmungen und Phasen beeinflusst. Höre ich heute
stundenlang Brian Eno, kann es morgen schon Moorcheeba sein, übermorgen Girls
under Glas gemischt mit Dj. Tomcraft und danach sofort Death in June oder Such a
Surge die mit Daft Punk ausklingen. Und das Ende der Woche kann mit Silke
Bischoff beginnen, um mit Sade zu enden. Du siehst, da ist wirklich alles
möglich ;-)
12.)
Beziehst du dich mit deinen Tracks auf konkrete historische oder auch aktuelle
gesellschaftliche Ereignisse?
Das kommt, wie bereits erwähnt mitunter vor. Personen wie Thomas Mann oder
Albert Einstein, bzw. deren Werke flechte ich ein, weil sie mich beschäftigt
haben. Und auch eine Leni Riefenstahl klammere ich da nicht aus. Aber irgendwie
nie als Botschaft, die ich vermitteln möchte. Ich erwähne es einfach, und
versuche das in Sounds zu packen. Apollo 13 z.B. soll durch diese kalte
unheimliche Musik nur ausdrücken, welche Gefühle und Gedanken diese Astronauten
auf der fast tödlichen Mission überfallen haben. Zumindest wie ich mir das
vorstelle.
13.)
Woher nimmst du ansonsten deine Themen? Was inspiriert dich?
Themen überfallen mich rein zufällig. Ich lese oder sehe etwas und lass mich
inspirieren. Aber nicht zwingend. Ein großes Grundthema ist sicher eine
allgemeine Kälte und Ausweglosigkeit. Zumindest hört sich für mich das
Endergebnis oft so an. Das muss nicht autobiografisch sein, kann aber sicher
gelebte Momente widerspiegeln. Hörst du dann ein Sample von der Sendung mit der
Maus, dann sei dir sicher, das ich nicht mit einem Strick um den Hals gegenüber
auf dem Dachboden rumhänge ;-)
Aber mich können auch ganz simple Dinge inspirieren. Kennst du das Chat Programm
TRILLIAN? Wenn du das Programm startest, spielt es einen kleinen bezaubernden
Ton, der mich sofort gefangen hat. Den musste ich natürlich haben und fürs neue
Album verwenden. Meine Songs sind Tagebücher und Listen meiner Vorlieben und der
Dinge die ich hasse.
14.)
Du arbeitest gerade an deinem vierten Album. Wird es unter einem speziellen
Thema stehen? Wann ist mit der Veröffentlichung zu rechnen?
Nein ein Thema gibt es nicht. Es gibt Stilles und Lautes und Witziges. Ich
verstehe dass es mühsam sein mag, so etwas an einem stück zu hören, weil der
Wechsel zwischen laut und leise prägnant ist. Aber das Leben ist ähnlich. Ich
bin nicht in der Lage das anders umzusetzen und möchte das auch gar nicht. Das
Album ist fast fertig und heißt: CRAZY ENGLISH SUMMER. Das Artwork ist
abgeschlossen. Bald ist Frühlingsanfang. Sagen wir es so: Es erscheint im
Frühling 2005 ;-)
15.)
Deine Netzseite ist optisch recht ungewöhnlich gestaltet. Gehört das zum
Gesamtkonzept von Eisenlager?
Ja genau. Sie ist minimal, dunkel und wartet mit sehr wenigen Informationen auf.
Die Musik ist im Grunde auch minimal und selten gibt es Stücke, die überladen
sind. Eine Grundlinie zieht sich durch das Stück, begleitet von mehr oder
weniger limitierten Sounds. Ich glaube, dass die Webseite das aussagt. Und das
ist beabsichtigt.
16.)
Aus welchem Grund hast du dich entschlossen, auf deiner Netzseite deine
kompletten Alben zum Download anzubieten?
Ursprünglich wollte ich Schnipsel und nur ein paar Songs in voller Länge
anbieten. Das jeweils ganze Album sollte zum Selbstkostenpreis über mich zu
beziehen sein. Das habe ich verworfen. Wie ich sagte ist die Musik in erster
Linie für mich produziert und verfolgt keine kommerziellen Absichten. Und daher
möchte ich sie kostenfrei weitergeben. Alle Stücke sind in bester mp3-Qualität
codiert. Der Download ist sicher für analoge User fast unmöglich und in
Ausnahmefällen schicke ich eine CD direkt per Post. Das Coverlayout ist mit den
mp3’s zusammen auf der Seite erhältlich.
17.)
Gibt es etwas, das du an der aktuellen Industrial/Ambient/Neofolk-Szene in
Deutschland kritisieren würdest?
Dazu kenne ich die Szene zuwenig bis gar nicht. Ich besuche schwarze Clubs und
schaue auf Webseiten irgendwelche Dinge nach. Ab und zu stolpert man über
kontroverse Diskussionen in Foren die sich um bestimmte Neofolk-Bands drehen.
Ich halte mich da raus, weil ich keine Lust habe meine CD’s mit einer Lupe nach
der Schramme im System abzuklopfen. Ich weiß worum es geht und höre weiterhin
das, was ich will und entscheide das ohne Rechtfertigung. Die Gitarre am
Lagerfeuer wird es weiterhin bei mir geben ;-)
18.)
Was bedeutet Ästhetik für dich?
Klares und Minimales finde ich ästhestisch. Bombast weniger. Mir ist eine
Butterblume fast lieber als ein Sack Rosen. Mir ist Ästhetik sehr wichtig.
Kennst du die Band Schiller? Das ist ästhetische Musik für mich. Eine Spannung
die sich aufbaut und sich langsam steigert, um schließlich in 1000 Orgasmen in
meinem Ohr zu explodieren. Klar strukturiert und voll ins Herz. Ich könnte dir
viele ähnliche Beispiele nennen. Wenn ich an schwarze Ästhetik denke, fallen mir
SISTERS OF MERCY in den Achtzigern ein. Eine dunkle Stimme und eine riesige
Sonnenbrille. Auch das ist Ästhetik ;-) Das definiert jeder für sich in eine
ganz andere Richtung. Und das ist wahrscheinlich auch gut so.
19.)
Politik und Kunst – passt das für dich zusammen?
Das eine muss das andere nicht ausschließen. Musik kann politisch sein und darf
es auch. In der Kunst hat es immer politische Themen gegeben sei es in der
Malerei oder in schriftlicher Form. Bono von U-2 macht Politik immer wieder zum
Bestandteil seiner Songs. Es gibt Bereiche der Musik, wo das fehl am Platze ist.
Eine Stefanie Hertel sollte nie etwas zur Visa Affäre singen ;-)
20.)
Was fällt dir zum Thema „Sinn“ ein? Was macht für dich „Sinn?“
Das Leben macht für mich Sinn. Ganz kurz und schnörkellos gesagt. Kreativ zu
sein und sich damit ausdrücken.
21.)
So, hier nun Raum für die berühmten letzten Worte:
Erst einmal möchte ich dir für die wirklich gut gestellten Fragen danken. Ich
wünsche mir, dass ich hin und wieder ein paar Menschen mit meiner Musik
erreichen kann und möchte mit einem Zitat von Kraftwerk schließen:
Es wird immer weiter gehn, Musik als Träger von Ideen.
Eisenlager